Montag, 21 Januar 2013
Das wirtschaftliche Umfeld im Mittelstand 2012/2013 und Entwicklung des öffentlichen Beteiligungsgeschäfts

Nach positiver Geschäftsentwicklung in 2012 sind die Erwartungen für die kommenden Jahre verhalten positiv

Frankfurt am Main, 21. Januar 2013 - Nach dem KfW-Mittelstandspanel im November 2012 setzt der Mittelstand seinen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise eingeschlagenen Stabilisierungs- und Wachstumskurs fort. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland waren in den Jahren 2011 und 2012 Zugpferd und Jobmotor der deutschen Volkswirtschaft. Umsätze und Beschäftigtenzahl sind dabei deutlich gewachsen: Erstmals waren mit über 29 Millionen Menschen mehr als 70 % aller Erwerbstätigen in Deutschland im Mittelstand beschäftigt. Der gesamtwirtschaftliche Zuwachs an Erwerbstätigen wurde vollständig vom Mittelstand getragen.

Die positive Entwicklung der mittelständischen Unternehmen schlägt sich auch in einer stabilen Rentabilität und verbesserten Eigenkapitalausstattung nieder. So ist die durchschnittliche Umsatzrendite im gesamten Mittelstand in den letzten Jahren gestiegen. Gleichzeitig bereitet sich der Mittelstand angemessen auf die verschärften Kreditvergaberichtlinien infolge von Basel III vor: Die mittelständischen Unternehmen verbesserten ihre durchschnittliche Eigenkapitalquote 2011 auf 26,9 % (2010: 26,6 %). Speziell für kleinere Mittelständler ist auch mit einer weiteren leichten Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis zu rechnen.

Noch unbeeindruckt von der sich abzeichnenden konjunkturellen Abschwächung hat der Mittelstand nach der Krise seine Investitionszurückhaltung aufgegeben. Dennoch hat die Investiti-onstätigkeit das Niveau vor der Krise aus dem Jahr 2008 noch nicht wieder erreicht. Gerade bei kleinen Unternehmen ist eine spürbare Investitionszurückhaltung erkennbar.

Die Geschäftserwartungen im Mittelstand für die kommenden drei Jahre sind verhalten optimistisch: Rund 45 % der Unternehmen erwarten gleich bleibende, ein gutes Drittel (35 %) steigende Umsätze. In den Optimismus mischt sich allerdings zunehmend Unsicherheit über die möglichen Folgen der Eurokrise: Im September 2012 sieht sich ein Drittel aller mittelständischen Unternehmen (32 %) nicht in der Lage, die Folgen der Krise für das eigene Unternehmen einzuschätzen. Zudem ist sich derzeit ein Großteil der Unternehmen der möglichen Folgen einer Krisenverschärfung kaum bewusst bzw. erwartet letztlich einen Zusammenhalt der Eurozone. Nur 1% der Mittelständler hatte im Herbst 2012 Vorkehrungen für eine erneute Verschärfung der Krise getroffen. Eine Krisenverschärfung würde daher den Mittelstand in seiner gesamten Breite und nahezu unvorbereitet treffen. In Erwartung einer sich weiter abkühlenden Konjunktur rechnen die mittelständischen Unternehmen mit einer Verschärfung der Kreditrichtlinien. Der Zugang zu Krediten wird schwerer werden.

Mittelfristige Strategie im öffentlichen Beteiligungsgeschäft

Auf die sich abzeichnende Marktentwicklung ist die BM H vorbereitet. Durch die Bündelung aller öffentlich geförderten Beteiligungsfonds in Hessen werden sowohl die ein¬zelnen Finanzie-rungsphasen von Early-Stage über Expansion-Stage hin zu Later-Stage als auch spezielle Beteiligungsnischen und -größenordnungen abgedeckt. Der Frühphasenfinanzierung wird insbesondere ein Teilsegment im Fonds Hessen Kapital I gerecht, spätere Finanzierungsphasen können MBG H, Hessen Kapital und der Mittelhessenfonds abdecken. Durch die enge Verzahnung mit der WIBank ist es möglich, auf kurzem Weg zusätzliche Kredit und Zuschussmittel oder auch Landesbürgschaften zu vermitteln. Sich in einzelnen Segmenten gut entwickelnde Beteiligungen, z.B. in der Frühphase, können von den übrigen Fonds anschlussfinanziert werden. Insgesamt trägt das Konzept zu einer wesentlichen Verbesserung der Transparenz des hessischen Beteiligungsangebotes und somit zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Hessen bei.

Der bis zum Ende der laufenden Förderperiode auszuinvestierende Fonds Hessen Kapital I, der zu jeweils 50% aus Haushalts- und EFRE-Mitteln des Landes Hessen gespeist ist, sollte in der neuen Förderperiode von 2014 bis 2020 modifiziert zur Verfügung stehen.

Ausblick für die öffentliche Beteiligungsfinanzierung

Die gute wirtschaftliche Entwicklung des Mittelstandes sowie die zunehmende Bedeutung des öffentlichen Beteiligungsgeschäftes im Rahmen der Wirtschaftsförderung in Hessen spiegelt sich auch in den seit 2010 stark ansteigenden Bewilligungszahlen wider. Die Entscheidungsgremien aller von der BM H betreuten aktiven Fonds haben in den letzten drei Jahren insgesamt 110 Beteiligungen im Gesamtvolumen von 56 Mio. € bewilligt.

Alleine die Entscheidungsgremien der drei neuen Fonds Hessen Kapital I und Hessen Kapital II sowie des Mittelhessenfonds haben seit deren Gründung Ende 2007 insgesamt 90 Beteiligungen bewilligt, wovon bisher 69 Beteiligungen im Gesamtvolumen von 49 Mio. € ausgezahlt wurden. Dadurch sollen über 700 Arbeitsplätze neu geschaffen, 7.150 erhalten und ein Investitionsvolumen von mehr als 125 Mio. € angestoßen werden. Hinzu kommen weitere 69 Beteiligungen der MBG H.

Positiv hervorzuheben ist zudem, dass die Bündelung des öffentlichen Beteiligungsgeschäftes mit Geschäftsbesorgung durch eine Managementgesellschaft unter dem Dach der Wirtschaftsförderung bundesweit eine gewisse Einzigartigkeit aufweist, da auch die in jedem Bundesland ansässige Mittelständische Beteiligungsgesellschaft in Hessen integriert wurde. Unternehmensfinanzierungen können somit optimal strukturiert und in Kombination mit Kreditfinanzierungen den gegebenen Bedingungen angepasst werden.

Die weiterhin robuste Verfassung der Wirtschaft, aber auch die ersten Anzeichen einer drohenden Kreditklemme lassen die Nachfrage nach Beteiligungskapital im laufenden Geschäftsjahr weiter auf einem hohen Niveau verlaufen. Aufgrund konjunktureller Unsicherheiten kann es jedoch zu einer Konsolidierung des Beteiligungsbestandes kommen. Daher sind exakte die Prognosen für das öffentliche Beteiligungsgeschäft in Anlehnung an die erwähnten Prognoseunsicherheiten im Mittelstand für die kommenden beiden Geschäftsjahre ebenfalls schwer zu treffen.

BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH
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