Mittwoch, 20 Juli 2011
So kann die stille Beteiligung Banken überzeugen

Handelsblatt 20.07.2011

Die Uhr für Mittelständler tickt. Bis spätestens 2013 muss die Eigenkapitalquote stimmen. Doch das Risiko, im eigenen Haus nicht mehr Herr zu sein, lässt viele vor einem Eigenkapital-Partner auf Zeit zurückschrecken.

Köln. Viele Mittelständler wissen, dass für sie die Uhr läuft: Bis spätestens 2013, wenn die Bankenregulierung Basel III in Kraft tritt, müssen sie ihre Eigenkapitalquote aufgestockt haben. Bei den Betroffenen ist das Thema bekannt: Laut einer Umfrage der Impuls-Stiftung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und des Instituts der deutschen Wirtschaft unter rund 500 Maschinenbauunternehmen halten fast 50 Prozent der Betriebe mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz das Thema Eigenkapitalfinanzierung für sehr wichtig bis wichtig. Aber: "Viele schrecken vor der zeitlich befristeten Aufnahme von Eigenkapital zurück", beobachtet Ulrich Hermani, Geschäftsführer des VDMA in Baden-Württemberg.

Der Verband hat sich deshalb auf die Fahnen geschrieben, für mehr Offenheit und Mut in Sachen Eigenkapitalfinanzierung zu werben. "Das Risiko, nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein, wenn zum Beispiel ein Finanzinvestor per Minderheitsbeteiligung in das eigene Unternehmen einsteigt, wird häufig überbewertet", urteilt Christine Kienhöfer, Chefin des Maschinenbauunternehmens Felss und gleichzeitig stellvertretende Vorsitzende des VDMA in Baden-Württemberg. Denn es gäbe bei vielen Finanzierungsmodellen wie etwa der stillen Beteiligung oder Nachrangdarlehen Mittel und Wege, die Mitspracherechte im akzeptablen Rahmen zu halten, so Kienhöfer.

Außerdem muss ein neuer Eigenkapitalgeber kein Dauergast sein, wie Kienhöfer aus eigener Erfahrung weiß. "Um die Bilanz der Felss-Gruppe wetterfest zu machen und gleichzeitig weiter in unser neues Werk in China investieren zu können, haben wir uns vor eineinhalb Jahren zusätzliches Eigenkapital über eine stille Beteiligung ins Haus geholt", so Kienhöfer.

Dank der Finanzspritze der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg und der S-Kap, der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Pforzheim-Calw, konnte die Felss-Gruppe mitten in der Finanzkrise ihre Eigenkapitalquote verbessern. Die stille Beteiligung läuft über zehn Jahre, kann teilweise aber früher getilgt werden.

Deutschland: Früher die Insel der Glückseligkeit ...

Birgit Felden, Vorstand der auf den Mittelstand spezialisierten Unternehmensberatung TMS aus Köln, rät Mittelständlern aus einem einfachen Grund, sich rechtzeitig mit alternativen Finanzierung zu beschäftigen: "Welche Risiken eine starke Abhängigkeit von den Banken bei gleichzeitig niedriger Eigenkapitalquote mit sich bringen kann, haben viele Mittelständler in der Finanzkrise zum ersten Mal so richtig erfahren. Dann wird einfach der Geldhahn zugedreht."

"Deutschland war lange Zeit so etwas wie eine Insel der Glückseligen. Auch wer nur eine geringe Eigenkapitalquote aufwies, bekam hierzulande langfristige Kredite eingeräumt. Mit dieser Langfristigkeit ist es vorbei", warnt Ex-LBBW-Chef Siegfried Jaschinski. Wer seine Eigenkapitalquote nicht steigern kann, guckt womöglich in der nächsten Krise in die Röhre.

Strategisch denkende Unternehmen suchen daher schon jetzt nach neuen Finanzierungswegen - auch, wenn sie eigenkapitalstark sind. So zum Beispiel Bernd Kirschey. Der Geschäftsführer der Centa Antriebe, Hersteller von elastischen Kupplungen und Gelenkwellen in Haan, entschloss sich im Zuge eines Investitionsvorhabens 2008, zwei Millionen Euro an Mezzanine-Kapital von der CBG Commerz Beteiligungskapital aufzunehmen.

Auch wenn die Mezzanine-Programme wegen hoher Ausfälle in Misskredit geraten sind, sind die Erfahrungen von Kirschey sich unter dem Strich positiv: "Ein großer Vorteil der Mezzanine-Finanzierung ist, dass dem Unternehmen alle Wege offen bleiben, wenn es darum geht, noch zusätzlich Fremdkapital in Form von Darlehen aufzunehmen." Und Centa-Chef fügt an:"Wenn die Banken im Zuge von Basel III mehr Eigenkapital hinterlegen müssen, werden die Transparenzanforderungen und die Zinsen weiter steigen."

Handelsblatt 20.07.2011

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